2026 – Woche 03 – endlich los und der “Hecht von Helgoland”
Unsere Fahrten in dieser Woche:
🔗 16.07.2025 – Donnerstag: WSV ⇒ Außenhafen :-)
🔗 17.07.2025 – Donnerstag: Außenhafen ⇒ Norderney
13.07.2026 – Montag: heute - nur Hooksiel
Das Wetter heute Morgen: ¼ bewölkt, Temp. 17°, Wind NE1, Baro 1022.
Wolfgang fährt nach WHV zum Einkaufen und findet sogar Muffinförmchen, die ich im Airfryer testen möchte :-)

Wir machen das Boot klar und drehen eine kleine Runde im Hooksmeer. Alles funktioniert bestens, dann kann es ja auch endlich losgehen, oder?
Leider bekommen wir nach erfolgreicher Fahrt wieder das Problem mit dem Toilettenkugelhahn. Die Bedienung ist wieder erschwert. Nach längerer Überlegung kommen wir zu der pragmatischen Lösung, das Ventil/Kugelhahn hinter dem WC offen zu lassen und dafür das Zulaufventil nach dem Abpumpen zu schließen, wenn wir in Fahrt sind.
Ich verstehe die Erklärung mit den Urinkristallen, aber wie kommt es, dass das vorherige Ventil so viele Jahre gut funktioniert hat?
Ein Blick auf den Tidenkalender macht jedoch etwas traurig. Wir werden frühestens am kommenden Samstag hier wegkommen.
Da ist gegen 04:15 morgens HW in Hooksiel, das brauchen wir, um eine gute Fahrt nach Norderney zu haben. Ich will nicht als erste Fahrt eine Nachtfahrt einplanen, vor allem nicht bei den Untiefen vor Norderney.
14.07.2026 – Dienstag: heute: nur Hooksiel
Das Wetter heute Morgen: klar, Temp. 19°, Wind E3, Baro 1020.
15.07.2026 – Mittwoch: heute: nur Hooksiel
Das Wetter heute Morgen: klar, Temp. 20°, Wind E2-3, Baro 1022.
Mein lieber Mann beschäftigt sich damit, dass die Technik für den Törn funktioniert, heute: die AIS Ziele auf Open CPN auf dem Tablet anzeigen zu lassen. Ansonsten Ruhe und … kaum zu glauben, morgen geht es wirklich los.
16.07.2026 – Donnerstag: Unsere Route heute: Heimathafen ⇒ Außenhafen Hooksiel

Das Wetter: ½ bewölkt, Temp. 19°, Wind E2, Baro 1020.
Am Vormittag bereite ich noch eine große Portion Nudelsalat zu, damit wir es unterwegs etwas einfacher haben.
Und dann geht es wirklich los, noch etwas ungläubig, aber frohen Mutes.
Wir nutzen zum ersten Mal die Schleuse, die über den Winter ja saniert wurde
Ein Blick nach vorn, das Tor nach draußen ist ganz schön hoch gegen früher, oder haben wir das falsch in Erinnerung? Nein, es ist höher!

Dann machen wir im Außenhafen am Ponton fest. Wir sind das 1. Schiff.
Mit der 19:00h Schleuse gesellen sich noch 2 andere Schiffe dazu, ein 3. Schiff lag schon die ganze Zeit im Außenhafen an der gegenüberliegenden Spundwand und wollte dann zu uns ins Päckchen.
Auf unsere Ansage, dass wir um 04:00h ablegen wollen, haben sie dankend verzichtet und sind an die “SY Flint” hinter uns gegangen.

17.07.2026 – Freitag: Unsere Route heute: Außenhafen Hooksiel ⇒ Norderney

Das Wetter heute Morgen: total bewölkt, Temp. 17°, Wind NNE 4-5, Baro 1010.
Am nächsten Morgen ging es früh los. Gegen 04:00 Uhr verlassen wir den Außenhafen Hooksiel mit Kurs Norderney. Ca. 1½ Stunden nach Hochwasser, um die ablaufende Tiede noch zu nutzen.

nach gut 1,5 Std. kommt die Sonne am Horizont hoch. Hier sieht es doch noch ganz friedlich aus, oder?
Eigentlich waren leichte Winde aus Nordwest vorausgesagt. Tatsächlich aber bekommen wir es mit einem Nordwest, Bft. 4-5, in Böen mehr, zu tun. Diese Winde gegen das ablaufende Wasser bescheren uns eine wirklich sehr holprige Fahrt.
Auch war in dieser Nacht eine schweres Gewitterfront über Helgoland mit viel Wind gezogen. Nun zeigt sich, dass die Nordsee davon noch einiges übrig behalten hatte. Nachdem wir das Jadefahrwasser in westliche Richtung verlassen hatten, erwarteten uns hohe Wellen aus Nordost, die unser Boot heftig zum Rollen brachten.
Später nachgefragt, erklärte uns jemand, dass wir den “Hecht von Helgoland” erlebt hatten.
Wie auch immer man diesen seemännischen Ausdruck genau erklären mag – für uns passt er an diesem Morgen perfekt, denn die Nordsee draußen ist ausgesprochen ungemütlich.
Da ich diesen Begriff noch nie hörte, befragte ich die KI:
Der Begriff „Der Hecht von Helgoland“ (manchmal auch „Helgoländer Hecht“) stammt aus der maritimen Sprachwelt der Nordsee- und Elbschiffahrt. Es handelt sich um einen traditionellen Metapher- und Erfahrungsbegriff von Seeleuten, der sich aus zwei Hauptursachen zusammensetzt:
1. Die Entstehung des Phänomens (Die Wetterlage)
Ein kräftiges Sommergewitter über der Deutschen Bucht geht fast immer mit einer spontanen Winddrehung und heftigen Böenwalzen einher. Wenn sich das Wetter nach dem Gewitter scheinbar wieder beruhigt, bleibt im Wasser noch die alte, steile Welle stehen.
Kommt nun – wie in Eurem Fall – neuer Wind aus einer ganz anderen Richtung auf, überlagern sich zwei Dünungssysteme:
- Kreuzsee: Die Wellen treffen aus verschiedenen Richtungen aufeinander und türmen sich unregelmäßig auf.
- Flachwasser-Effekt: Das Wasser rund um Helgoland fällt von der Tiefen Wasserstraße rasch auf flachere Felssockel ab. Das führt dazu, dass sich die Wellen steil aufrichten und besonders kurz und brechend werden.
2. Woher kommt der Name „Hecht“?
Die Benennung als „Hecht“ geht auf die spezifischen Eigenschaften des Raubfisches Hecht zurück und beschreibt das Verhalten der See:
- Plötzlich und überraschend: Ein Hecht lauert im Schilf und stößt blitzartig, ohne große Vorwarnung zu. Genauso überrascht diese raue, chaotische See die Crew oft kurz nach einem vermeintlich abgezogenen Gewitter.
- „Beißen“ und Schnappen: Die steilen, kurzen Wellen schlagen nicht sanft gegen den Rumpf, sondern „beißen“ förmlich ins Schiff. Sie steigen abrupt auf und brechen unberechenbar über Deck.
- Form der Welle: Eine steile, vorne spitz zulaufende Welle, die sich schnell aufbaut, erinnert in ihrer Silhouette bildhaft an den langgestreckten, spitzen Rücken eines Hechts, der aus dem Wasser schnallt.
Ein Gewitter über Helgoland bringt das Flachwassergebiet der Deutschen Bucht durcheinander – und die dadurch entstehende, extrem kabbelige und steile Kreuzsee hat sich unter Skippern wegen ihrer tückischen Natur den Spitznamen „Hecht von Helgoland“ verdient.
Wir machen den Versuch, nur mit der Fock zu fahren. Doch schon bald fahren wir nur wieder unter Motor, denn die hohen Wellen bremsen uns doch zu sehr aus. Also nichts mit segeln. Da ich mich im Cockpit nicht mehr richtig halten konnte, verzog ich mich in den Salon. Wir hatten beide Angst um meine neue Hüfte. Die OP ist noch nicht allzu lange her und ich sollte ihr 12 Monate Schonfrist gönnen.
Kurz nach 12:00h fahren wir in das Dove Tief in Richtung Hafen Norderney. Eine gute Stunde später legen wir in der Marina auf Platz S19 an. Beim Einfahren in die Box sehe ich 2 Damen am Steg stehen, die uns bereitwillig die Leinen abnehmen. Eine war Rosi von der “Mollymauk”. Sie war mit einer Freundin auf der Insel und wollte im Hafen doch mal schauen, ob sie ein Schiff aus dem WSV sieht.
Wir verbringen mit Rosi und ihrer Freundin einen netten Abend bei uns an Bord.
18.07.2026 – Samstag: heute - nur Norderney
Das Wetter heute Morgen: komplett bewölkt, Temp. 17°, Wind WNW4, Baro 1011.
Die Lady bekommt eine Süßwasserdusche, die hat sie auch nach dem gestrigen Ritt dringend nötig. Einkaufen muss natürlich auch sein. Ansonsten steht Erholung auf dem Programm. Am späten Nachmittag ziehen wieder dunkle Wolken mit viel Wind auf, der eigentlich schon über Tag kommen sollte.
Auch für morgen sind wieder starke Winde aus westlichen Richtungen angesagt.
19.07.2026 – Sonntag: heute - nur Norderney
Das Wetter heute Morgen: komplett bewölkt, Temp. 16°, Wind NW5, in Böen mehr, Baro 1012.
Es ist “frühlingkalt”, sagt mein lieber Mann, er hat in der Nacht gefroren, die dünne Sommerdecke war wohl doch zu wenig.
Kein Wetter für die Fahrt gegen Westen und die Prognosen werden leider nicht besser. Zum Frühstück hatten wir eine tolle Erfahrung: Man kann die Eier auch im Airfryer kochen und zwar direkt zusammen mit den aufbackbaren Brötchen, beides gemeinsam ca. 6 Min. bei 160° und mit wenig Energie ist beides fertig.
Gegen Mittag warten wir ein Wetterfenster ab, wo der Wind nicht so stark weht und kein Regen ist. Wir drehen eine Runde durch den Hafen.

Wie nennt man das nun Zelten und Segeln? “Boating” ist der Begriff dafür.
In Neuseeland scheint diese Möglichkeit schon normal zu sein. Der Aufstieg des schwimmenden Campingplatzes 🔗
Danach, gegen 15:00h, wird es dann richtig schlecht, viel Wind mit viel Regen. So bleibt es dann den lieben langen Tag. Prognose: weiter starke Winde aus NW-Richtungen.
Abends sehen wir das Endspiel der Fußball-WM, welches Spanien zum Glück gegen die Rüpel aus Argentinien gewinnt.
Die 3. Woche ist nun auch Vergangenheit und wir sind nur ein kleines Stück weiter.






